Ein kurzer Blick aufs Handy, ein Gespräch mit Freunden oder nur wenige Sekunden Unaufmerksamkeit – und schon kann ein Kind in eine lebensbedrohliche Situation geraten. Ertrinken verläuft bei Kindern meist lautlos und wird deshalb oft zu spät bemerkt.
Ertrinken ist die zweithäufigste Unfall-Todesursache bei Kindern in der Schweiz!
Neben den tragischen Todesfällen gibt es zahlreiche Beinahe-Ertrinkungen. Auch wenn ein Kind gerettet wird, kann bereits ein kurzer Sauerstoffmangel zu schweren gesundheitlichen Folgen führen. Während meiner Arbeit als Dipl. Expertin Intensivpflege habe ich leider selbst Kinder mit bleibenden Beeinträchtigungen nach einem Beinahe-Ertrinken betreut.
Prävention – die wichtigste Lebensrettungsmassnahme
Die beste Erste Hilfe ist einen Unfall gar nicht erst entstehen zu lassen.
Merke dir:
- In Griffnähe: Säuglinge, Kleinkinder und Nichtschwimmer.
- In Sichtnähe: Kinder ohne Wassersicherheitscheck
- Keine Ablenkung: Handy weg, keine längeren Gespräche – EINE Person trägt bewusst die Aufsicht.
Kinder werden von Wasser magisch angezogen. Bereits wenige Zentimeter Wasser in einem Planschbecken, Eimer oder Gartenteich können lebensgefährlich sein.
Warum sind kleine Kinder besonders gefährdet?
Der Körperschwerpunkt von Kleinkindern liegt weiter oben als bei Erwachsenen. Der schwere Kopf zieht sie schnell nach vorne, sodass sie sich aus eigener Kraft oft nicht mehr aufrichten können. Zudem fehlt ihnen die Kraft und die Orientierung unter Wasser um sich selbst zu retten.
Kinder ertrinken meist still – sie rufen nicht um Hilfe und schlagen häufig nicht wild um sich.
Was tun bei einem Beinahe-Ertrinken?
- Kind sofort aus dem Wasser retten (Zeit ist entscheidend)
- Bewusstsein und Atmung kontrollieren
- Falls notwendig: Sofort mit der Beatmung (5x anfangs) und Reanimation (15 Kompressionen: 2 Beatmungen) beginnen
- Parallel Notruf Tel. 144 alarmieren
- Bei Reanimation: Oberkörper abtrocknen beim Einsatz eines Defibrillators/AED
- Ggf. Nasse Kleidung entfernen und das Kind warm halten
Auch wenn es dem Kind wieder gut geht …
Nach einem Beinahe-Ertrinken können noch Stunden später Komplikationen auftreten. Bereits kleine Mengen eingeatmeten Wassers können die Lunge schädigen und zu Entzündungen oder einem Lungenödem führen.
Lassen Sie Ihr Kind deshalb ärztlich untersuchen, wenn es Wasser eingeatmet haben könnte oder nach dem Unfall auffällig wirkt.
Warnzeichen sind unter anderem:
- Husten oder Atemnot
- bläuliche Lippen
- Rasselnde Geräusche beim Atmen
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Fieber
- Übelkeit oder Erbrechen
Wichtig: Diese Symptome können auch erst 24 bis 48 Stunden nach dem Unfall auftreten.
Weitere Tipps zur Ertrinkungsprävention
- Schwimmhilfen ersetzen niemals die Aufsicht
- Sichern Sie Pools, Gartenteiche und Regentonnen
- Leeren Sie Planschbecken und Wassereimer nach Gebrauch
- Fördern Sie die Wassergewöhnung und das Schwimmenlernen
- Tragen Kinder auf Flüssen oder Seen immer eine passende Rettungsweste – eine Schwimmweste genügt nicht
- Bestimmen Sie bei Ausflügen immer eine verantwortliche Aufsichtsperson
Mein wichtigster Merksatz
💙 Kinder ertrinken nicht laut. Sie brauchen keine Schwimmflügel – sie brauchen aufmerksame Erwachsene.
In Griffnähe bis zum sicheren Schwimmen – in Sichtnähe bis zum Wassersicherheitscheck. Diese einfache Regel kann Leben retten.

